Gaslighting

Wenn deine Realität systematisch in Frage gestellt wird

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Der Begriff Gaslighting stammt ursprünglich aus dem Theaterstück Gas Light von Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938, das später auch mehrfach verfilmt wurde (siehe Bild oben: Charles Boyer, Ingrid Bergman und Joseph Cotten im Film "Das Haus der Lady Alquist" von 1944). In der Handlung manipuliert ein Ehemann seine Frau gezielt, indem er kleine Veränderungen in ihrer Umgebung vornimmt – etwa das ständige Dimmen der Gaslampen im Haus – und ihr dann einredet, sie bilde sich diese Veränderungen nur ein. Dadurch beginnt die Frau, an ihrer eigenen Wahrnehmung und ihrem Verstand zu zweifeln. Aus dieser Geschichte entwickelte sich der Begriff „Gaslighting“ als Bezeichnung für eine Form psychologischer Manipulation, bei der Opfer systematisch verunsichert und ihre Realität infrage gestellt wird.

Gaslighting – Wenn deine Realität systematisch infrage gestellt wird

„Du übertreibst.“ – „Das habe ich nie gesagt.“ – „Du bist viel zu empfindlich.“
Diese Sätze hören sich auf den ersten Blick harmlos an, doch sie können der Anfang einer emotional tiefgreifenden Manipulation sein: Gaslighting.

Der Begriff stammt aus dem Theaterstück Gas Light von 1938. Heute steht Gaslighting für eine psychologische Form des Missbrauchs, bei der eine Person gezielt versucht, eine andere Person in ihrem Selbstvertrauen, in ihrer Wahrnehmung und sogar in ihrer Identität zu destabilisieren.

Wie funktioniert Gaslighting?

Gaslighting passiert oft schleichend. Am Anfang wirken die Aussagen noch wie harmlose Missverständnisse. Doch mit der Zeit werden sie gezielter, häufiger und verletzender. Der oder die Täter:in verdreht Tatsachen, leugnet frühere Aussagen oder reagiert übertrieben auf Kritik – immer mit dem Ziel, das Gegenüber zu verunsichern.

Typische Gaslighting-Techniken sind:

  • Leugnen von Fakten oder Gesprächen („Das habe ich nie gesagt.“)
  • Abwertung von Gefühlen („Du bist zu emotional.“)
  • Verschieben der Schuld („Wenn du nicht so schwierig wärst, wäre alles gut.“)
  • Isolierung (Das Opfer wird von Freund:innen oder Familie entfremdet, um die Kontrolle zu stärken.)

Die Folgen sind tiefgreifend

Gaslighting kann tiefe seelische Spuren hinterlassen. Viele Betroffene fühlen sich verwirrt, verlieren das Vertrauen in sich selbst und ihre Urteilsfähigkeit. Es entsteht ein Gefühl der Ohnmacht – man hat das Gefühl, den eigenen Gedanken und Gefühlen nicht mehr trauen zu können.

Fragen wie „Stimmt mit mir etwas nicht?“, „Bin ich wirklich so empfindlich?“ oder „Vielleicht übertreibe ich ja doch?“ werden zum ständigen Begleiter. Und genau das ist es, was Gaslighting so gefährlich macht: Es greift die eigene Identität an und macht Betroffene emotional abhängig.

Was können Sie tun?

  • Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie ständig an sich selbst zweifeln und Sie das Gefühl haben, dass etwas „nicht stimmt“, nehmen Sie diese innere Stimme ernst.
  • Führen Sie ein Tagebuch. Notieren Sie sich Aussagen, Vorfälle oder Verhaltensweisen. So können Sie sich selbst wieder mehr Klarheit verschaffen.
  • Reden Sie mit Menschen Ihres Vertrauens. Aussenstehende haben oft einen klareren Blick und können Ihnen helfen, die Situation einzuordnen.
  • Holen Sie sich professionelle Unterstützung. Therapeut:innen können helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren und wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen.

Sie sind nicht allein.

Gaslighting ist emotionaler Missbrauch – und Sie haben das Recht, sich zu schützen. Niemand sollte Sie dazu bringen, sich selbst infrage zu stellen. Sie verdienen eine Beziehung auf Augenhöhe, mit Respekt, Vertrauen und Echtheit.

Falls Sie damit Schwierigkeiten haben, helfen Ihnen die Freiraummanager:innen in vielen Bereichen weiter. Schauen Sie sich unsere hilfreichen Dienstleistungen an - und kontaktieren Sie uns anonym, falls Sie sich angesprochen fühlen.